Wikipedia-Frühling #wFrühling

(Work in Progress – 5. Lesung, ohne Rechtschreibkorrektur)

Hintergrund

SOLA SCRIPTURA – SAPERE AUDE – SEI MUTIG

#agree2disagree

Der Beitrag der «Schweizer Kongregation» an deutschsprachige Wikipedia-Community. (So?)

#wFrühling ist ein helvetisches Wortspiel. Es spielt auf M‑Frühling an und erinnert an eine starke Tradition von liberalem, ökokologischem, sozialem Denken, was es in dieser Kombination fast nur in der Schweiz geben solle, sagte einmal Dirk Baecker in einem Essay.

Die Schweiz steht möglicherweise dem amerikanischen #FreeSpeech – wie diese in den Prinzipien der Wikimedia-Foundation offensichtlich werden – näher, als der deutschen #Meinungsfreiheit, welche sich nach der Erfahrungen von Diktaturen nachvollziehbar anders hat formieren müssen. Die helvetische Tradition von einem «Konsens zur Uneinigkeit» (#ManiMatter), welche sich in den vielfaltigen Alpentälern über hunderte von Jahren herausgebildet hat, überpringt bis heute leichtfüssig alle parteipolitischen und konfessionellen Gräben und Verwerfungen und garantiert eine gemeinsame, anrufbare, (moralisch) einklagbare Basis für die Gesellschaft der Gesellschaft.

#wFrühling will sich als Teil einer Bewegung – nicht als Kopf! – verstehen, welche sich offensiv und ungeduldig für eine Erneuerung der Ziele in der deutschsprachigen Wikipedia einsetzt. Die Dringlichkeit einer stabilen, verlässlichen, dissens-freudigen «Informationellen Allmende» muss während dem aktuellen Shutdown unserer Regierungen #CoronaVirus nicht weiter begründet werden. Gell?

Der nachfolgende Text wurde im aktuellen Status eines Fragementes jetzt auf https://meta.wikimedia.org/wiki/Dienstag eingefügt und wird hier nicht mehr weiter bearbeitet.

Erinnern

WIKIPEDIA IS NOT PAPER — Ganz egal, was Wikipedia einst werden würde, im Januar 2002 waren zwei Dinge klar: Es soll erstens kein nächstes Diskussionforum werden und zweitens, es wird nichts mit dem bisherigen Verständnis von «Publizieren» zu tun haben: Wir haben plötzlich keine Platzprobleme mehr, keinen Redaktionsschluss, keine Distributionsprobleme, es ist ganz einfach geworden zu editieren und zudem wird es gänzlich unkaputtbar sein, weil jeder Eintrag in diese Wikipedia eine präzise, nachvollziehbare Versionsgeschichte hat. (Und immer so weiter.)

Das kulturell überlieferte Wissen kann im Internetz in allen Facetten, Spielformen, Perspektiven und Schattierungen beleuchtet und mit Gegensätzlichem, Ähnlichem und ganz Anderem problemlos verknüpft werden. So wurde dieses «Irgendetwas ganz Andere» Wikipedia, als eine «Enzyklopädie des freien Wissens» beschrieben: Hier sollten Alle alles eintragen dürfen, was für Menschen Relevanz gefunden hat:

Relevant ist für Menschen, was Menschen etwas angeht, Menschen betrifft, wonach Menschen suchen und mehr darüber Wissen wollen. Relevant ist, worüber gesprochen, ausgetauscht, diskutiert, gestritten, argumentiert und in Blogs, Vlogs, Podcasts oder auch ganz klassisch – auf Papier – abgelegt und Verfügbar gemacht wird.

Es war nur eine schlichte Software und diese Idee eine Enzyklopädie. Es brauchte keine Schulungen, keine #how2manuals, kein professionelles Redaktionsmanagement. Der Aufbau wurde in weniger als einem einzigen Jahrzehnt realisiert. Parallel und hochdynamisch ist in über 300 Sprachkulturen verstreut und dezentralisiert, eine riesige Allmende entstanden, an welcher Alle ganz frei Teile eingeben und ganze Teile davon frei mitnehmen können. «Daten, Information, Wissen» sind keine rivalen Güter: sie vermehren sich, wenn wir sie teilen.» (Elinor Ostrom)

Gedenken

Wir nennen es #WikiStress. Und weil es zum davonlaufen ist, laufen seit über einem Jahrzehnt die ProdUser – eben jene, welche Wikipedia nicht bloss nutzen, sondern diese mit herstellen – scharenweise davon. Geblieben ist eine heterogene Gruppe, welche wir freundlicherweise als Mitglieder einer «Meritokratie» vermuten wollen. Unfreundlicher wäre, wenn wir sie verdächtigen würden als Mitarbeitende von Geheimdiensten, Public Relation Profis, agitierende Mitarbeitende der Wikimedia-Foundation, mehr oder minder verdeckt als Journalisten im öffentlich-rechtlichen Dienst arbeiten und immer so weiter. Sicher ist:

Es macht keinen Spass mehr zu editieren. Der Ton ist rauh. (Nein, keine uns schweizernden einschüchternde «Berliner Schnauze». Ganz Anders.) Für alles gibt es Relevanzkriterien, welche ermöglichen, dass etwas NICHT eingetragen werden darf. Im Streitfall wird ebenso intransparent gesperrt und die Angeklagten unter wilden Shitstorms in die Flucht getrieben. Wer Korrekturlesungen macht und sich ganz mutig unterwirft, wird belohnt. Wer belegbare, aber missliebige Aussagen einpflegen will, oder falsche Fragen stellt, wird möglichst rasch (Jimbo Wales) ausgegrenzt. Manchmal schon bei einem wackligen oder forschen Versuch, sich einen Account einzurichten.

Aber auch der Schreibumgebung selbst – dem Content Management System – ist anzumerken, dass es aus einer anderen Zeit stammt. Synchrones Schreiben führt zu Speicherkonflikten. Der bei etablierten Insidern verpöhnte «Visual Editor» hat starke Limitierungen. Und bereits die Anmeldung eines neuen Accounts oder eine Änderung des Profilnamens, ist einem Kind nicht beizubringen, was im Monatsrythmus neue Plattformen auf Social Media ausprobiert und testet. Vom Ungemach, in einen Konflikt geraten zu sein und dann in kryptischen Umgebungen zu versuchen, zu seinem Recht zu kommen, wollen wir schon gar nicht einmal reden.

Und Übrigens: Dass es so wenige Portraits von Frauen in der Wikipedia gibt, begründet sich gänzlich anders, als wie es «professioneller Informationsjournalismus» so inbrünstig zu hyperventilieren mag: Würden in den überregionalen, tagesaktuellen Zeitungen mehr Frauen vorgestellt, wären die alle auch in der Wikipedia auffindbar. Die Koppelung der Relevanzkriterien an überregionale Massen leitende Medien wurde von einer Problemlösung in frühen Jahren, zum Problem selbst.

Und was ganz im Dunklen bleibt? Die Pflege der Infrastruktur der Datenserver. Noch trauen wir der Wikimedia-Foundation. Wie anfällig aber private Stiftungen sind, ist ebenso bekannt und können selbst am Beispiel der Zerfallsformen der Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten, von #ServicePublic, leicht belegt werden.

Erneuern

Die deutschsprachigen Wikipedia war schon in den Anfängen eine der Innovativsten und für die globale Bewegung wegweisend. Nach 20 Jahren geht es nun aber darum, dass sich dieses Engagment in die globale Community und den dort bewährten und etablierten, multikulturellen Ansprüchen ausgesetzten, Arbeitsprinzipien einfügt. Dazugehört, dass die 5. tragende Säule von Wikipedia, auch für die deutschsprachige Version übernommen wird. Kurz: Der inklusionistische Erfolg von IGNORE ALL RULES, muss beim Editieren auch in der deutschsprachigen Wikipedia wiederum in Anspruch genommen werden können.

Als Benchmarker für eine stringente Reduktion, übergreifende Vereinheitlichung und radikale Vereinfachung der Relevanzkriterien bieten sich die Kriterien von Wikidata an. Damit finden auch all die aktiven Regionalwikis und andere vitalen Gruppen, welche kollaborative Schreibsysteme für Ihre als Enzyklopädien angelegten Projekte nutzen, wieder eine sichere Umgebung und bereichern nicht nur inhaltlich die Wikipedia.

Die Rolle der für editoriale Arbeiten zuständigen Administratoren muss auf das #CommunityCare verpflichtet werden:

  1. Sicherung, dass es Spass macht zu editieren.
  2. Sicherung, dass die Verfahren – insbesondere im Konflikt – allparteilich, transparent und nachvollziehbar realisiert werden.
  3. Sicherung, dass wer Hilfe braucht, diese auffinden kann.
    «Empowerment first»: SEI MUTIG.

Das Anliegen des traditionellen «Neutralen Standpunktes» erzwingt, was das zweite Ziel von 2030.wikimedia.org erneuert: Wenn belegbare Aussagen nicht eingepflegt werden dürfen, haben die Administratoren die Pflicht mitzuhelfen, dies zu ermöglichen. Wir nennen es radikale, oder auch «bedingungslose», Inklusion. Dabei gilt aber insbesondere: In eine Enzyklopädie gehört keine Werbung, keine PR, kein Framing (auch kein gutes.)

Ebenfalls gilt weiterhin: Das #SmartSetting darf in keinem Moment verlassen werden. Es darf keine «Hinterzimmerentscheide» geben. Je mächtiger und entscheidender die Entscheidung, umso strenger sind die Anforderungen an nachvollziehbare, transparente, einklagbare Verfahren.

Aber die traditionellsten Tipps für das Arbeiten in «kanalreduzierten Umgebungen» bleiben die Gleichen. Egal was auf deinem Bildschirm aufleuchtet: «Geh von guten Absichten aus». Und: «Keine persönlichen Angriffe».

Wir jagen keine Menschen, wir brauchen auch keine Klarnamen. Was eine Enzyklopädie sucht, sind belegbare Aussagen und rationale Argumente. Und genau aus diesem Grund, gibt es auch keine #ToxicUsers in der Wikipedia. In kollaborativen Arbeitsumgebungen geht es nicht (mehr) um die Begründung von «Autorität durch Autorenschaft». (Das fällt #Dickhäutern unendlich schwer zu akzeptieren.)

Und genau darum geht es ja: WIKIPEDIA IS NOT PAPER

SOLA SCRIPTURA – SAPERE AUDE – SEI MUTIG

Intro zu #wFrühling:

Gespräch mit Dominik Landwehr (und Kommentator Bruno Jehle) über die Herausforderung von Wikipedia:

Einführung von Michael Grüebler, Chef Statistik Stadt Zürich, zu #OpenData, Wikidata (#FreeData) und den Zusammenhang mit Wikipedia:

Grafik von Dr. Bernd Gross, CC-by-sa 3.0


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